Ein Page Builder ist ein WordPress-Plugin (oder in manche Themes integriertes Feature), das eine visuelle Drag-and-drop-Oberfläche zur Gestaltung von Seiten bereitstellt. Die bekanntesten Vertreter sind Elementor, WPBakery Page Builder (früher: Visual Composer), Divi (Elegant Themes) und Beaver Builder. Page Builder waren bis etwa 2018–2020 eine wichtige Zwischenlösung zwischen dem limitierten Classic Editor und dem noch unreifen Gutenberg.
Was bedeutet das für Ihr KMU?
Page Builder werden häufig als «einfach zu bedienen» verkauft. Die Realität ist ambivalent:
Vorteile aus der Nutzer-Perspektive:
- Visuelle Bearbeitung (WYSIWYG)
- Vorlagen-Bibliotheken mit fertigen Designs
- Niedrige Einstiegshürde für Nicht-Entwickler
Probleme, die oft erst nach Jahren sichtbar werden:
- Aufgeblähter Code — Page Builder erzeugen oft verschachtelte HTML-Strukturen mit dutzenden unnötigen
<div>-Elementen - Schlechte Performance — 2 MB+ CSS/JavaScript sind bei Page-Builder-Websites keine Seltenheit; Core Web Vitals leiden direkt
- Lock-in-Abhängigkeit — der Wechsel eines Page Builders bedeutet oft einen kompletten Neuaufbau der Website
- Fragile Updates — Page-Builder-Updates können Inhalte zerstören, gerade bei komplexeren Layouts
Die wichtigsten Page Builder im Überblick
- Elementor — der meistgenutzte Page Builder weltweit. Sehr umfangreich, aber entsprechend schwergewichtig im Code.
- WPBakery Page Builder — früher unter dem Namen Visual Composer bekannt. Bei vielen älteren Themes aus dem ThemeForest-Marketplace mitgeliefert. Bekannt für aufgeblähten Shortcode-basierten Output.
- Divi — von Elegant Themes, integriert in deren Theme-System. Vergleichbare Performance-Profile wie Elementor.
- Beaver Builder — etwas schlanker und entwicklerfreundlicher als die Konkurrenz, aber mit kleinerer Nutzerbasis.
Warum Gutenberg Page Builder meist überflüssig macht
Seit der Reifung von Gutenberg (ab etwa WordPress 5.9, Anfang 2022) gibt es für die meisten KMU keinen zwingenden Grund mehr, einen Page Builder einzusetzen. Gutenberg bietet:
- Drag-and-drop-Bearbeitung
- Block-Patterns für wiederverwendbare Design-Komponenten
- Spalten-Layouts, Galerien, Cover-Bilder
- Full Site Editing für Header, Footer, Menüs
Zusätzlich ist Gutenberg im WordPress-Core integriert — kein Drittanbieter-Risiko, keine Lock-in-Abhängigkeit, kein Performance-Overhead.
Was tun, wenn Sie bereits einen Page Builder einsetzen?
Die ehrliche Antwort: es kommt darauf an.
- Wenn Ihre Page-Builder-Website läuft, zufriedenstellend performt und die Pflege funktioniert — lassen Sie sie. Ein Wechsel um des Wechsels willen ist unwirtschaftlich.
- Wenn Sie spürbare Probleme haben (Performance, Update-Ausfälle, Unhandlichkeit im Pflegen), lohnt sich ein Migrationsgespräch. Oft ist der richtige Weg ein Neuaufbau auf Gutenberg-Basis, weil eine «Befreiung» aus dem Page Builder technisch aufwändiger ist als ein sauberer Neubau.
Wie ich das für Sie umsetze
Für neue Projekte setze ich konsequent auf Gutenberg + Neve — keine Page Builder. Für bestehende Websites mit Page-Buildern mache ich zuerst eine ehrliche Bestandsaufnahme: Migration, schrittweise Modernisierung oder Neuaufbau — je nachdem, was sich rechnet. Mehr dazu in meinem Artikel: Zwanzig Jahre WordPress-Theme-Entscheidungen.
→ Verwandte Begriffe: Gutenberg Block Editor | Neve Theme | Lock-in-Effekt | Core Web Vitals | WordPress
→ Mehr erfahren: WordPress Webentwicklung für KMU
→ Externe Ressourcen: Elementor offizielle Website | WPBakery Page Builder