Cornerstone, Ankertexte & interne Struktur – Serie: Teil 1 von 3
Interne Verlinkung: So wird aus einzelnen Beiträgen eine Struktur
Die meisten KMU-Websites haben kein Textproblem. Sie haben ein Strukturproblem. Gute Beiträge liegen unverbunden nebeneinander, und niemand erkennt, was wichtig ist.
Dieser Beitrag zeigt den günstigsten Hebel im SEO. Er ist der erste von drei Teilen.

Das Wichtigste in Kürze
Vernetzte Struktur übertrumpft blosse Menge. Acht Beiträge, die aufeinander verweisen, wirken stärker als zwanzig nicht verbundene Einzelbeiträge.
- Der Cornerstone-Schalter in Yoast ändert Ihr Ranking nicht. Er erinnert Sie beim Schreiben.
- Google sagt selbst: Jede wichtige Seite braucht einen Link von einer anderen Seite.
- Ankertexte tragen Bedeutung. «Hier klicken» verschenkt dieses Signal.
- Links auf Fachbeiträge dürfen automatisch vorgeschlagen werden. Links auf Angebotsseiten nicht.
Für wen dieser Artikel gedacht ist: Verantwortliche in Schweizer KMU, die eine WordPress-Website betreiben und wissen wollen, worauf es beim strategischen Aufbau von Inhalten einer Website ankommt.
→ warum Themen-Cluster besser ranken als Einzelartikel
Was «Cornerstone» Inhalte genau sind
Beide grossen SEO-Plugins bieten einen Schalter für wichtige Beiträge. Yoast nennt ihn Cornerstone Content, Rank Math nennt ihn Pillar Content. In beiden Fällen priorisiert er die Werkzeuge für interne Links.
Jetzt der Punkt, den viele Anleitungen auslassen. Der Schalter verändert Ihr Ranking nicht. Er weist das Plugin nur an, andere Beiträge bevorzugt auf diesen zu verlinken. Google sieht die Markierung gar nicht.
Die Markierung ist deshalb kein Versprechen. Sie ist eine Selbstverpflichtung. Sie sagt: An diesen Beitrag will ich künftig immer denken.
Yoast beschreibt die Logik dahinter klar. Eine Cornerstone-Strategie heisst, die besten Inhalte auszuwählen und möglichst viele interne Links dorthin zu leiten.
Und was eignet sich dafür? Cornerstone-Beiträge sind meist längere, informative Texte. Sie führen Erkenntnisse aus kleineren Beiträgen zusammen und decken ein Thema vollständig ab, statt etwas zu verkaufen.
Lesen Sie mehr dazu: Warum strukturierte Themen-Cluster besser ranken als Einzelartikel
Daraus folgt eine einfache Regel. Die Startseite oder Dienstleistungsseiten, Kontaktseiten markieren Sie nicht. Sie sind nicht unwichtig. Sie haben nur eine andere Aufgabe.
Wie viele Cornerstone Inhalte sollten Sie einsetzen?
- Vier bis fünf pro Website sind reichen normalerweise völlig aus.
- Bei sechzig Seiten reichen drei.
- Wer zwanzig Beiträge markiert, hat keinen Wert auf eine ordentliche Priorisierung gelegt.
Was Google zur internen Verlinkung sagt
Google äussert sich in der eigenen Dokumentation ungewöhnlich direkt. Links zeigen Google die Relevanz einer Seite. Ausserdem findet Google neue Seiten überhaupt erst darüber. Jede wichtige Seite sollte deshalb mindestens einen Link von einer anderen Seite Ihrer Website haben.
Das hat Folgen. Eine Seite ohne eingehende Links wird schlechter gefunden und seltener besucht. Technisch existiert sie zwar. Strukturell jedoch nicht wirklich.
Machen Sie doch kurz einen Test. Öffnen Sie eine Unterseite und fragen Sie sich: Von welcher anderen Seite komme ich hierher, ohne die Navigation zu nutzen? Fällt Ihnen keine ein, ist die Seite eine Sackgasse.
Ankertexte tragen Bedeutung
Google äussert sich auch zur Formulierung. Der sichtbare Linktext soll beschreibend, kurz und passend sein. Generische Formulierungen wie «hier klicken» sollten Sie wenn möglich vermeiden.
Der Ankertext ist also keine Dekoration. Er sagt etwas über das Ziel aus. «Mehr erfahren» sagt nichts. «Leitfaden zu SEO für Schweizer KMU» sagt einiges mehr aus.
Ein Zusatz, weil hier viele übertreiben: Variieren Sie die Formulierungen. Vierzig identische Ankertexte auf dieselbe Seite wirken nicht natürlich.
Wie viele Links pro Seite?
Auch dazu gibt es eine Antwort, und sie ist erfrischend unbürokratisch. Eine ideale Anzahl gibt es nicht. Fühlt es sich nach zu viel an, ist es vermutlich zu viel.
Vertrauen Sie also Ihrem Leseempfinden. Ein kurzer Absatz mit vier aufeinanderfolgenden Links liest sich schlecht. Und was sich schlecht liest, wirkt auch nicht.
Nebenbei räumt Google mit einem Missverständnis auf. Links auf fremde Websites sind nichts, wovor man sich fürchten muss. Quellen zu zitieren kann sogar Vertrauen belegen.
So vermerkt Yoast SEO zB auch im Ampelsystem, wenn keine externen Links im Inhalt platziert wurden.
Die Pyramide
Architektonisch habe ich mir für diese Website deshalb ein Pyramidensystem ausgearbeitet. Hier kurz die Erklärung, wie ich dies auf dieser Website aufgesetzt habe:
Ebene 1: Das Glossar
Kurze Erklärungen einzelner Begriffe. Menschen suchen nach Begriffen, die sie nicht kennen. Deshalb sind Glossareinträge häufige Einstiegspunkte. Ich bin hier einen Schritt weiter gegangen und habe ebenfalls erklärt, weshalb das Thema rund um den Begriff für meine Zielgruppe wichtig ist. Und was umgesetzt werden kann, um einen Nutzen daraus ziehen zu können.
Ebene 2: Die Cluster-Beiträge
Einzelne Aspekte eines Themas. Sie greifen Long-Tail-Anfragen ab und verlinken nach oben.
Ebene 3: Die Cornerstone-Beiträge
Umfassende Darstellungen. Sie sind das Ziel der meisten internen Links. Es handelt sich hier um Themen, die zentral sind.
Ebene 4: Die Dienstleistungsseiten
Das Ende der Reise. Hierhin gelangt, wer Unterstützung sucht.
Zwischen Ebene 3 und 4 liegt dabei eine Kleinigkeit, die fast alle übersehen:
- Links auf Cornerstone-Beiträge schlägt das Plugin vor. Das Werkzeug in Yoast Premium priorisiert markierte Beiträge und erinnert Sie beim Schreiben daran. Das gehört zur redaktionelle Routine.
- Links auf Dienstleistungsseiten müssen Sie dagegen selber setzen. Solche Links gehören dorthin, wo ein Leser bereit ist für den nächsten Schritt. Diese Entscheidung kann kein Vorschlagssystem treffen. Es versteht den Gesprächsverlauf im Text nicht.
- Zwei Mechanismen also, mit zwei Absichten. Wer sie vermischt, bekommt aufdringliche Texte oder eine Struktur ohne Ziel.
Fünf Schritte zur Umsetzung
- Erstens: Cornerstone-Beiträge bestimmen
- Fragen Sie sich: Zu welchen drei Themen will ich als kompetent gelten? Fehlen die passenden Beiträge noch, ist genau das Ihre erste Aufgabe.
- Zweitens: vorhandene Beiträge zuordnen
- Jeder Text gehört zu einem Thema. Was sich nicht zuordnen lässt, ist neu oder überflüssig. Beides hilft Ihnen weiter.
- Drittens: nach oben verlinken
- Jeder Cluster-Beitrag verlinkt auf seinen Cornerstone-Beitrag. Am besten im Fliesstext. Ein Block am Textende ist besser als nichts, wirkt aber schwächer.
- Viertens: nach unten verlinken
- Der Cornerstone-Beitrag verlinkt auf seine wichtigsten Cluster-Beiträge. So finden Leser die Vertiefung, und neue Beiträge werden entdeckt.
- Fünftens: die Brücke zum Angebot setzen
- Ein bis zwei Links pro Cornerstone-Beitrag. Dort, wo der Text von der Erklärung zur Anwendung übergeht. Nicht mehr.
Falls Sie alles, was sie bis hier hin gelesen haben, noch nicht beachtet haben, gibt es Nachholbedarf. Für sechzig Inhalte brauchen Sie circa acht bis zwölf Stunden. Auf drei Wochen verteilt ist das eine Stunde pro Tag. Ein Glossar aufzusetzen, um die Pyramide zu vervollständigen muss dann aber noch separat betrachtet werden.
Messen statt vermuten
Yoast bringt in der Gratisversion ein Werkzeug mit, das kaum jemand kennt. Der Textlink-Zähler zeigt, wie viele interne Links auf eine Seite zeigen. Und wieviele Links aus einem Inhalt rausgehen.
Öffnen Sie die Beitragsübersicht (oder Seitenübersicht) in WordPress. Blenden Sie über die Ansichtsoptionen zwei Spalten ein: Links im Beitrag und interne Links auf den Beitrag. Sortieren Sie nach der zweiten Spalte.
Stehen Ihre Cornerstone-Beiträge nicht oben, fehlt die Pyramide noch. Das ist dann keine Vermutung mehr, sondern eine Messung. Sie dauert zwei Minuten.
Weiterführende Informationen
→ Serie: Teil 1 (dieser Beitrag hier) | Teil 2: Backlinks für Schweizer KMU | Teil 3: Google Ads und SEO
→ Pillar-Beiträge: SEO für Schweizer KMU 2026 | Content Hubs für Schweizer KMU
→ Verwandte Beiträge: SEO-Plugins für WordPress | Glossar als Content-Asset
→ Glossar: On-Page SEO | Anchor Text | Topic Cluster | Long-Tail-Keyword
→ Angebote: Web-Beratung für KMU | Inhaltspflege und SEO
Quellen:
- Google Search Central: SEO Link Best Practices
- Yoast: What is cornerstone content?
- Yoast: Set up cornerstone content in 6 steps

Fazit
Die Werkzeuge sind unspektakulär. Ein Schalter, der Sie erinnert. Links im eigenen Text, die Sie ohnehin setzen könnten.
Genau deshalb funktionieren sie. Googles Empfehlungen sind nüchtern: nachvollziehbare Links, beschreibende Ankertexte, keine verwaisten Seiten. Spezialwissen braucht das nicht.
Warum haben die meisten KMU-Websites trotzdem keine Struktur? Selten aus Unwissen. Meist wegen einer Annahme: Das Wesentliche sei der Text, und die Verbindungen ergäben sich von selbst. Sie ergeben sich nicht.
Interne Verlinkung wirkt übrigens schnell. Rechnen Sie mit vier bis zwölf Wochen. Das unterscheidet sie von allem, was in Teil 2 folgt.
Ihr nächster Schritt
Weiter in der Serie: Teil 2 behandelt Backlinks. Und zeigt, warum sie ohne diese Struktur weitgehend verpuffen.
Für den grösseren Rahmen lesen Sie den Pillar-Beitrag SEO für Schweizer KMU 2026. Wie Sie die vier Ebenen inhaltlich aufbauen, erklärt Content Hubs für Schweizer KMU.
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